Bist du eine Schnecke oder ein Rennkäfer?

Foto: Luise by pixelio.de
Foto: Luise by pixelio.de

Ich war noch nie ein Rennkäfer, wenn ich ehrlich bin. Schon in der Schule im Sportunterricht mochte ich eher die langen "Rennstrecken". Auch heute mag ich es eher gemütlich. Ich brauche dieses ganze Gehetze des modernen Lebens nicht. Ich muß nicht immer auf dem neuesten Stand sein. Ich muss auch nicht schneller, weiter, höher. Das tut mir nicht gut, meinem Körper nicht, meiner Seele nicht - und mein Geist braucht das auch nicht. Der macht nämlich die höchsten und weitesten Gedankensprünge, wenn ich mir reichlich Muße gönne.

 

Wie mir mein Leben gerade wieder einmal den Weg zur Langsamkeit zeigen wollte, davon möchte ich dir heute erzählen. Vielleicht inspiriert es dich, dir auch ein wenig Schneckentempo zu gönnen ...

Da ich seit einiger Zeit schmerzhafte Probleme mit meinen Armen habe, kamen mir ein paar Tage NUR FÜR MICH ganz recht. Zeit für Entspannung. Aber, wie meistens, hatte ich auch eine ziemlich lange Liste mit zu erledigenden Dingen und meine Wohnung wollte auch gern mal wieder eine "Frischekur" erleben.

 

Ich nahm mir ersteinmal etwas Zeit für Einkehr und fragte meine Arme, was sie denn jetzt bräuchten. Die Antwort war sehr deutlich zu hören: AUSRUHEN! Dem gab ich auch nach, weil es mir ja ganz logisch erschien: schmerzende Muskeln wollen entspannen und ausruhen. Mein Kopf erzählte mir zwar immer wieder mal, was ich doch alles tun müßte. Aber meine Arme wollten etwas anderes - und sie hatten in diesem Moment Vorrang. Eindeutig. Davon ließ sich auch mein Verstand überzeugen: Mit Armen, die ich nur unter Schmerzen bewegen kann, kann ich auf Dauer nicht viel ausrichten.

 

Also habe ich immer wieder, wenn es ging, GEFAULENZT, entspannt, ABGEHANGEN - und es hat mir soooo gut getan. Meinem Körper, in dem Fall meinen Armen und meiner Seele auch.

 

Wann hast du dir das letzte mal gegönnt, einfach nur abzuhängen? Und ich meine damit nicht, mit schlechter Laune gelangweilt dir Ruhe zu verordnen. Es macht einen Unterschied, es dir wirklich zu erlauben, jetzt mal nichts Nützliches oder Notwendiges zu tun.

 

Oft steht unserer innerer Antreiber sofort auf der Matte und versucht uns mit allen Mitteln davon abzubringen. Du mußt doch erst noch .... Mach erst noch ... Du kannst doch nicht bei diesem riesigen Berg Abwasch, Wäsche, Gartenarbeit oder sonstwas ...

 

Gründe, es nicht zu tun, wird es immer geben.

 

Vielleicht magst du mal in dich hineinhorchen, ob dir ein bisschen mehr Langsamkeit in deinem Leben gut tun würde. Frag deinen Körper, deine Seele.

 

Selbst ein ausgemachter Rennkäfer muss sich ab und an ausruhen. Gut ausgeruht kann er umso schneller wieder loswetzen ;-).

 

Und für die Schnecken unter uns ist Langsamkeit Lebenselexier, oder?

 

Ich freue mich, wenn du mir über deine Erfahrungen mit der Langsamkeit schreibst.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Roland (Donnerstag, 29 Mai 2014 13:49)

    Hallo Katrin,
    dein Artikel ist eine sehr schöne Anregung.
    Ich würde mich eindeutig als Schnecke bezeichnen. Und wenn ich dies zulasse und lebe, dann ist auch eigentlich alles im grünen Bereich. Doch der "innere Antreiber", wie du es so schön beschrieben hast, möchte bei mir gerne, dass meine Schnecke sich zum Rennkäfer wandelt. Höher, schneller, weiter, dass sind die Ansprüche des Antreibers.
    Da die Wandlung nicht wirklich gelingen kann, gibt es nur einen Weg den aufkommenden Frust darüber vorzubeugen. Wenn ich das annehme, was ich bin, dann ist dies eine Übereinstimmung, auf die sich aufbauen läßt. Denn eine Weiterentwicklung ist etwas völlig anderes als eine Wandlung, so finde ich.
    Bei meiner Arbeit nahm ich Angebote in mein Spektrum mit rein, von denen ich dachte sie gehören dazu, bringen mich schnell vorwärts (Rennkäfer). Doch es knirschte mächtig. Körperlich und emotional.
    Nun habe ich "abgespeckt" und biete erst mal das an, wo ich mich wirklich zu Hause fühle (Schnecke). Weniger ist manchmal mehr. Was sich daraus entwickelt, das steht natürlich jederzeit offen. Aber im Moment fühlt es sich sehr gut an.
    Alles Gute und weiterhin eine so anregende Seite wünscht
    Roland aus Gera

  • #2

    Katrin (Sonntag, 01 Juni 2014 10:19)

    Lieber Roland,
    ich freue mich, dass der Blogartikel inspiriert hat. Ja es ist so wichtig, sich selbst in seinem So Sein anzunehmen. Erst dann können wir uns damit in ungeahnte Höhen aufschwingen. Und das Aufschwingen darf langsam gehen, damit wir uns nicht unsere Flügel unterwegs brechen und wieder umkehren. Das wäre schade. Für dich, für uns.
    Liebe Grüße
    Katrin