INS ICH REISEN

 

"Bei mir soll es den Frauen gut gehen", sagt Katrin Ohlhoff, während sie in dem sanft beleuchteten Raum Matten verteilt. "Denn Veränderung passiert nur, wenn es einem gut geht. Leiden soll doch keiner." Jede Matte wird mit einer Decke belegt, denn warm haben sollen es die Frauen, die beim "Lebenstanz"-Kurs für anderthalb Stunden den Alltag hinter sich lassen und frei atmen wollen.

 

In der angenehmen Atmosphäre soll nichts die Entspannung stören, kein grelles Licht, keine kreischende Musik - ganz anders als bei so manchem Tanz in den Mai. Katrin Ohlhoff ist zwar Diplom-Tanzpädagogin, aber es hier geht nicht darum, festgelegte Tanzschritte einzustudieren. Tanz ist in diesem Fall eher der körperliche Ansatz für eine Meditation. In dem Haus in der Nähe des Borgsdorfer Bahnhofs finden auch Yoga- und Pilates-Kurse statt. Auch beim Lebenstanz kommen die Tänzerinnen ins Schwitzen. Doch geht es nicht darum, besondere Sportlichkeit oder Beweglichkeit zu beweisen oder zu üben. Wer hierher kommt, braucht weder Vorkenntnisse noch eine bestimmte religiöse oder spirituelle Einstellung.

 

"Lebenstanz richtet sich an Frauen jedes Alters, die sich gerne bewegen und Lust haben, in sich selbst hineinzuhören", erklärt Kathrin Ohlhoff. Seit zwei Jahren bietet die 45-jährige Oranienburgerin die Kurse an. Die meisten Teilnehmerinnen kommen regelmäßig einmal pro Woche, manche auch öfter. Diesmal sind es sechs Frauen. Sie setzen sich in bequemer Kleidung in einer Runde auf den Fußboden, beim Tee wird kurz geplaudert. Dann ertönt nur noch Katrin Ohlhoffs ruhige Stimme, die sanfte Anweisungen zur Rückenentspannung erteilt. Dann wird etwa eine Dreiviertelstunde mal zu sphärischen, mal zu rhythmischen Klängen getanzt. Die Frauen folgen den samischen Gesängen der Norwegerin Mari Boine und Loreena McKennitts kanadischem Folk mit großen, kreisenden Bewegungen barfuß durch den Raum. Bei mehr rockigen Titeln sind zwischendurch auch energische, zackige Schritte zu sehen. Jede Tänzerin drückt sich aus, wonach ihr ist und das so kraftvoll wie sie möchte. Allmählich zieht sich jede beim Tanzen in sich selbst zurück.

 

Zum Abschluss des Kurses kommen alle bei der Tiefenentspannung zur Ruhe. Es ist eine Reise in den eigenen Körper und den eigenen Geist. "Spüre deinen Atem, spüre die Haut vor deiner Stirn", sagt Katrin Ohlhoff leise. "Such dir einen Ort in deiner Erinnerung oder in deiner Fantasie, an dem du dich wohlfühlst." Vom Kopf bis zu den Zehen wird jedes Körperteil entspannt. Noch einmal sind nach einer Weile alle ganz bei sich. Ein anstrengender Tag im Geschäft, im Büro oder am Computer klingt gelassen aus.

 

geschrieben und fotografiert von Heike Weißapfel, erschienen im Oranienburger Generalanzeiger am 24.April 2013

 

 

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